Kirchgemeinde Staufberg

Wissenswertes zur geschichtlichen Entwicklung
der Kirchgemeinde Staufberg und ihren Gebäuden

Urpfarrei Staufen

Wahrscheinlich im 8. Jahrhundert entstand die Urpfarrei und umfasste die Ortschaften Staufen, Schafisheim, Lenzburg, Ammerswil, Dottikon, Möriken und Othmarsingen. Auf dem Staufberg stand die Mutter- oder Markkirche mit Filialkapellen in Lenzburg (Stadt und Schloss), Dottikon, Möriken, Othmarsingen und Schafisheim. Bereits sehr früh lösten sich Ammerswil und Othmarsingen. In der Folge der Reformation, verordnet 1528, entstanden dann 1565 die übrigen unabhängigen Kirchgemeinden mit eigenen Pfarreien.

Mit der Gründung des Kantons Aargu 1803 wurden die christlichen Landeskirchen geschaffen und gesetzlich als "Staatschristentum" festgelegt und geregelt. Die freie Ausübung der Gottesdienste wurde gewährleistet.

Kirchgemeinde Staufberg

Diese bestand während 425 Jahren aus den heutigen Gemeinden Niederlenz, Schafisheim und Staufen. Seit 1990, der Verselbständiung von Niederlenz, umfasst sie noch die Gemeinden Schafisheim und Staufen mit insgesamt ca. 2650 Kirchgemeindemitgliedern, wovon ca. 1'800 stimmberechtigt sind (Schafisheim ca. 850, Staufen ca. 950).

 

Kirche Schafisheim

 

Das im Jahre 1498 von Walter von Hallwyl neu erbaute Kirchlein St. Leodegar von Schafisheim blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nachdem es drei Jahrhunderte lang zur Hauptsache als Schlosskapelle der jeweiligen Herrschaft gedient hatte, wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Schopf und Schafstall degradiert.

1850 kam das Gebäude in den Besitz der Ortsbürgergemeinde. Diese verwendete es fortan als Versammlungslokal für die Gemeinde und als Filialkirche Staufberg.

1933 erfolgte eine erste grosse Renovation, nämlich die Erneuerung von Boden, Decken und Wandtäfer. Im Jahre 1942 wurde eine Aussenrenovation vollzogen. Schliesslich folgte im Jahre 1956 die Restauration und Erweiterung der Kirche (Seitenschiff nach Norden, Anschaffung der Glocken sowie einer neuen Turmuhr).

Die wohl einmalige Konstellation, dass eine Ortsbürgergemeinde eine Dorfkirche besitzt, hat auch ihre Schattenseiten: Eine Kirche benötigt Unterhalt, was angesichts der leeren Kassen und der zunehmenden finanziellen Probleme der Ortsbürgergemeinde immer schwieriger wurde.

Aus diesem Grund schenkten die Schafisheimer Ortsbürger im Herbst 2001 ihre Kirche der Kirchgemeinde Staufberg (Gemeinden Schafisheim und Staufen), welche das Gotteshaus bisher gemietet hatten. Verbunden mit dem Geschenk an die Kirchgemeinde war die Auflage, die etwas unansehnlich gewordene Kirche innert vier Jahren einer Aussenrenovation zu unterziehen. (Quelle AZ 14.11.2005)

Aus der beabsichtigten Aussenrenovation wurde eine Gesamtrenovation. 2007 wurde sie abgeschlossen. Der schlichte Stil der Kirche wurde beibehalten. Die Bänke wurden durch Stühle ersetzt, eine Trennwand ermöglicht es, den Kirchenraum in alter Form wieder herzustellen und das neue Kirchenfenster lässt das Sonnenlicht gülden erscheinen. Für weitere Informationen lädt Sie der verantwortliche Architekt, Reto Müller aus Unterkulm, auf seine Homepage ein.

 

Ausgrabungen zeigten, dass bereits in romanischer Zeit eine Kapelle stand, die später noch vergrössert wurde. Walter von Hallwyl liess 1497/98 die jetzige Kirche mit dem markanten Turm bauen.

Einmalig für eine Kirche dürfte der Umstand sein, dass sie sich während langer Zeit in wechselndem weltlichen Besitz und Eigentum befand:

1736 Familie Brüttel (vgl. unter Ziff. 7)
1821 Rudolf Baumann, Kantonsrat, Schafisheim
1855 Ortsbürgergemeinde Schafisheim

Während mehreren Jahrzehnten wurde die Kirche zweckentfremdet und schlecht unterhalten.

1933 erfolgte eine umfassende Renovation, so dass seither wieder kirchliche Anlässe darin durchgeführt werden konnten.

Im Zuge der 1956 durchgeführten Renovation erfuhr die Kirche namhafte bauliche Veränderungen durch den Anbau des Seitenschiffes, die Verlegung des Einganges von der Süd- auf die Westseite und die heutige Führung der Aussentreppe auf die Empore. Der Kirchturm erhielt eine neue Turmuhr und ein neues Geläute. Die Benützung der Kirche, die sich noch immer im Eigentum der Orsbürgergemeinde Schafisheim befand, durch die Kirchgemeinde Staufberg wurde in einem Mietvertrag geregelt.

2002 ging die Kirche gestützt auf einen Schenkungsvertrag von der Ortsbürgergemeinde an die Kirchgemeinde Staufberg als neue Eigentümerin über. Dies mit der Auflage, innert vier Jahren die notwendige Aussenrenovation durchzuführen.

Seit 1963 verfügt die Kirche über eine kleine einmaulige Orgel mit vier Registern.

Seit 1956 verfügt die Kirche Schafisheim über ein neues Geläute, welches aus den nachstehend genannten drei Glocken besteht:

 
Guss
Durchmesser
Gewicht
Schlagton
Nr. 1 1956 79 cm 300 kg C''
Nr. 2 1956 66 cm 165 kg Es''
Nr. 3 1956 59 cm 110 kg F''

Dieses Geläute löste ein früheres, aus zwei Glocken bestehendes ab. Dieses hatte der Schafisheimer Kirche seit 1498 während mehreren Jahrhunderten gedient. Anlässlich des Turmbaus war das kleine, aus der seinerzeitigen alten Kapelle stammende Glöcklein, zusammen mit einer neuen Glocke in den neu erbauten Turm aufgezogen worden.

Dem Schenkungsvertrag folge leistend hat die Kirchgemeinde Staufberg 2005 eine Baukommission beauftragt, die Kirche Schafisheim einer Renovation unterzuziehen.

 

Schlössli Schafisheim

Die Hugenottenfamilie Brüttel (in Frankreich verfolgte Protestanten) erwarb 1736 Herrschaft und Schloss mit der Kirche. Südlich des Schlosses baute sie ein Frabrikgebäude an, in welchem bedruckte Stoffe (Indienne) hergestellt wurden. 1803 erfolgte die besitzmässige Abtrennung des Schlosses.

1821 wurde das Fabrikgebäude mit Scheune und Kirche von Rudolf Baumann, Gemeinderat in Schafisheim, erworben. Er baute das Fabrikgebäude in ein Wohnhaus, das spätere Schlössli, um.

1968 verkaufte der letzte private Eigentümer, Samuel Hofmann, diese Liegenschaft an die Kirchgemeinde Staufberg. Diese richtete im Dachgeschoss einen kleinen Saal für kirchliche Anlässe ein, die übrigen Wohnungen blieben vermietet.

1980 wurde der Verein für Alterswohnungen (VAS) gegründet. Diesem schenkte die Kirchgemeinde 7/12 vom Gebäude und vom Grundstück. Im Umfang von 5/12 blieb sie Miteigentümerin. Aufgrund eines beidseitigen Beschlusses erfolgten dann 1984/85 Renovation und Umbau, nachdem das Gebäude zuvor unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden war. Seither beherbergt das Schlössli Schafisheim im Untergeschoss den für vielfältige Zwecke nutzbaren Schlösslisaal und im Erdgeschoss das Sitzungs- und das Unterrichtszimmer sowie das Büro des Pfarramtes.

 Kirche Staufberg

Bei Ausgrabungen in der Kirche (letztmals 1994) wurden Spuren römischer Siedlungen, frühmittelalterlicher Gräber sowie Schutt einer ersten, vermutlich im 8. Jh. erbauten Kirche gefunden. Eine zweite Kirche wurde vermutliche im 10. Jh. erstellt, der Turm im 11. Jh., und während rund 500 Jahren durch verschiedene Ausbauten und Erweiterungen zur heutigen Grösse vollendet. Das Gotteshaus wird erstmals 1173 urkundlich erwähnt und gilt als Gründung der Grafen von Lenzburg und des Klosters Beromünster.

Nach dem Brand von 1419 wurde der Chor in der heute noch bestehenden Form neu errichtet und die eindrücklichen Bildfenster eingebaut. Über den ebenfalls wieder aufgebauten Oberteil des Turmes sind keine schlüssigen Hinweise vorhanden.

1960 wurden sämtliche Gebäude auf dem Staufberg unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt.

Das jetzige Aussehen erhielt die Kirche bei der Innenrenovation 1994/95 und bei der Aussenrenovation 2002 aufgrund von alten Funden, wobei die Kirchendecke im Kirchenschiff und die Farbe des Turmoberteils besonders hervorzuheben sind.

Die Glasmalereien im Chor, im Jahre 1420 von unbekannten Künstlern geschaffen und in die gotischen Chorfenster eingebaut, stellen zweifellos den kostbarsten Schatz der Kirche dar. Der nicht mehr vollständig erhaltene Bildzyklus umfasst im wesentlichen Verkündigung, Geburt und Leben Jesu Christi bis zur Kreuzigung.

Die aus Holz geschnitzte farbige Barockkanzel stammt aus dem Jahre 1720. Sie wurde 1903, angepasst an das übrige Holzwerk, dunkelbraun übermalt und bei der Restaurierung 1963 aber wieder in die ursprüngliche Farbenpracht gefasst und 1995 der neuen Decke angepasst.

1968 erfolgte der Einbau der heutigen zweimanualigen Orgel. Deren Gehäuse und Rückpositiv wurden farbliche der Kanzel nachgebildet. Sie hat 20 Register.

Das Geläute bestand ab 1420 aus zwei, dann aus drei und besteht seit dem 01.09.2002 (erstmaliges Läuten) aus vier Glocken:

 
Guss
Durchmesser
Gewicht
Schlagton
Nr. 1 1420 135 cm 1450 kg Es'
Nr. 2 1420 103 cm 950 kg As'
Nr. 3 ca. 1500 95 cm 500 kg B'
Nr. 4 1786 75 cm 300 Ces''

Nach dem Stadtbrand von 1490 wurde die Glocke Nr. 2 in die neu erbaute Kapelle nach Lenzburg gegeben. Als Ersatz dafür konnte bereits um 1500 die neue Glocke Nr. 3 aufgezogen werden. 1935 gelangte die Glocke Nr. 2 durch Leihvertrag mit drei anderen in die neu erbaute reformierte Kriche von Birmenstorf AG. Dank der Unterstützung durch den Stadtrat von Lenzburg konnte sie 2002 als Dauerleihgabe wieder heimgeholt werden.

Der Taufstein

Die Taufe als Aufnahme in die Gemeinde gehört nach reformiertem Verständnis - wenn möglich - in den Gottesdienst. Die Taufe wurde daher von dieser Zeit im offiziellen Sonntagsgottesdienst vor versammelter Gemeinde durchgeführt. Die Taufe muss vor dem Taufstein vollzogen werden. Beibehalten wurde, noch aus vorreformatorischer Zeit, dass der Täufling in weiss gekleidet werde.

Der alte Taufstein ist leider nicht erhalten. Der heutige stammt aus dem Jahre 1770 und war ein Geschenk des damaligen Landvogtes von Lenzburg, Johannes Rudolf Schmalz, und ist mit dessen Wappen geschmückt.

Die Kanzel

Die alte Kanzel ist nicht mehr vorhanden. Man weiss auch nicht mehr wie sie ausgesehen hat. Erhalten ist nur der achteckige Sockel der ehemaligen steinernen gotischen Kanzel. Die heutige Barockkanzel stammt aus dem Jahre 1720. Es sind verschiedene Wappen der noch heute existierenden Staufner-, Schafisheimer- und Niederlenzer Geschlechter abgebildet wie z.B.
Rohr = Staufen
Kull = Niederlenz
Härdi = Staufen
Wildi = Schafisheim etc.

Bei der Renovation 1994/1995 wurden ältere Farbschichten entdeckt. Das hellblau - oder Preussischblau wie es genannt wird - ist somit wahrscheinlich die ursprüngliche erste Farbe oder Bemalung von 1720.

Die Decke

Die Decke der Kirche wurde 1892 mit braunem Krallentäfer erneuert. Sie dunkelte mit der Zeit ab und wurde unansehnlich. Zwischen dem Chor und dem Kirchenschiff war eine Balkenatrappe angebracht. Auf Grund der im Estrich gefundenen Bretter, die die gleiche Farben und Ornamenten aufwiesen wie die Kanzel, wurde die Decke im barocken Stil rekonstruiert. Die Einteilung der heutigen Decke mit 5*6 Felder ist nicht willkürlich. Anhand der gefundenen alten Bretter, die immerhin 17% der alten Decke ausmachten, konnte man die Felderbreite und Länge genau bestimmen. Auch die Ornamente sind original der gefundenen Stücke genau gleich, freihändig, ohne Schablonen aufgemalt. Je nach Lichteinfall erscheint die Decke grau- grün- blau. Im Sonnenlicht hat das preussischblau einen grünlichen Schimmer.

Reformierte Kirchen im Aargau - Geschichte

 

Pfarrhaus Staufberg mit Scheune

Errichtet in spätgotischer Zeit mit mehreren Umbauten bis ins 18. Jh. Eine erste Scheune entstand 1582. Die jetzige Scheune entstand 1762. Sie wurde 1980 renoviert und zum Begegnungsraum umgestaltet.

 

Sigristenhaus Staufberg

1513 als Beinhauskapelle errichtet, 1586 zum Wohnhaus umgebaut und 1964 um den Anbau auf der Nordseite erweitert.

 

Wasch- und Sodhaus auf dem Staufberg

Der Schacht, 1488 gegraben, war für die Versorgung der Bewohner des Staufberges mit Wasser bis 1912 in Betrieb. In Fronarbeit wurden 1996/97 der Schacht freigelegt und das grosse Tretrad wieder funktionsfähig gemacht.

Film über Tretrad (lokal)

Film über Tretrad (Youtube)

 

Staufbergliedli


I kenne es Bergli im Aargauerland,
Si Schönheit und Ussicht isch ringsum bekannt,
wie mag es denn heisse! Errotet doch gschwind!
Es isch euses Staufberg, das weiss jedes Kind.

E Zauber lit drüber, e heimlechi Macht,
Im Sommer, Im Winter, bi Tag und bi Nacht.
Chasch laufe wit ume, chasch luege wo d’wit,
es herzigeres Plätzli, das findsch du halt nit.

Es Kirchli tuet winke, vom Grüene umgeh,
Und’s Glöggli, das tönt bis zur Aare, zum See,
Es rüeft und es bittet, o nehmet euch Zyt,
Vergesset der Vatter im Himmel doch nit.

Und möchtisch di freue an Gottes Natur,
Stieg ufe zum Kirchhof und lueg vo der Mur
Uf Wälder und Matte, uf Berge und See,
Und Burge und Schlösser, was will me no meh?

O Staufberg, du bisch mir so lieb und so wert,
So lang i darf blibe uf euserer Erd‘,
Bin i dir verbunde, ob nah oder fern,
O Staufberg, o Staufberg, i ha di so gern.

Alice Schenkel 1898 - 1979
Pfarrfrau auf dem Staufberg 1932 - 1966

Kirchgemeinde Staufberg

Sekretariat / Zopfgasse 22
5603 Staufen
Tel. 062 891 51 36
Öffnungszeiten:
Mo - Fr 08.30 - 11.30 Uhr

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